Waldsee im Herbst, 1921 | Gemälde von Heinrich Gans

Heinrich Gans (1890-1973)

Heinrich Gans (*8. April 1890 in Ausleben; † 30. April 1973 in Starnberg) war ein deutscher Agrarwissenschaftler und Maler des Spätimpressionismus.

Er entstammte einer alteingesessenen Großbauernfamilie aus der Magdeburger Börde. Im Hinblick auf die spätere Übernahme des elterlichen Guts studierte Gans zunächst Volkswirtschaft und Agrarwissenschaft. 1915 wurde er an der Universität Halle promoviert und arbeitete dort zeitweise als wissenschaftlicher Assistent. Trotz dieser beruflichen Ausrichtung zeigte sich früh seine ausgeprägte künstlerische Begabung. Nach privaten Studienaufenthalten in Hamburg und Berlin wandte er sich verstärkt kunsthistorischen Studien in München zu. Zwischen 1920 und 1930 lebte er in Starnberg und entwickelte sich als Autodidakt zu einem eigenständigen Maler. In dieser Phase entstanden zahlreiche impressionistische Landschaftsbilder mit Motiven aus München und der Umgebung des Starnberger Sees. Seine Werke wurden unter anderem bei Ausstellungen der Münchner Secession, des Künstlerbundes „Die Bayern“ sowie der Münchner Künstlergenossenschaft präsentiert und wiederholt im Münchner Glaspalast gezeigt.

Eine akademische Ausbildung an der Kunstakademie nahm Gans bewusst nicht auf, da er seine Hauptverantwortung weiterhin im landwirtschaftlichen Betrieb der Familie sah. Nach dem Tod seines Vaters kehrte er Ende der 1920er Jahre nach Ausleben zurück und übernahm Anfang der 1930er Jahre die Leitung des Guts. Parallel blieb er künstlerisch tätig und schuf Landschaftsdarstellungen aus der Region sowie aus Orten wie Sanssouci, München, Starnberg oder Andechs. Er stand im Austausch mit mehreren Künstlern aus der Börde-Region und beteiligte sich nach dem Zweiten Weltkrieg an Ausstellungen in Sachsen-Anhalt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus gehörte er – wie viele Künstler – der Reichskammer der bildenden Künste an. Belegt ist seine Teilnahme an einer regionalen Kunstausstellung in Magdeburg im Jahr 1938.

In den frühen 1950er Jahren wurde sein landwirtschaftlicher Besitz in der DDR enteignet. Zeitweise wurde er in Haldensleben inhaftiert. 1954 verließ er gemeinsam mit seiner Ehefrau Maria die DDR und ließ sich erneut in Starnberg nieder. Dort widmete er sich fortan hauptberuflich der Malerei und bestritt seinen Lebensunterhalt durch den Verkauf seiner Werke. Es entstand eine enge Freundschaft mit der Malerin Lilo Fürst-Ramdohr, die ihn nach dem Tod seiner Frau unterstützte. Innerhalb der Münchner Künstlergenossenschaft war er langjähriges Ehrenmitglied.

Im Alter beeinträchtigte ihn eine fortschreitende Makuladegeneration. Mithilfe spezieller Sehhilfen arbeitete er dennoch weiter, wobei sich sein ohnehin von weichen Pastelltönen geprägter spätimpressionistischer Stil noch verstärkte. Heinrich Gans starb 1973 kinderlos in Starnberg und wurde gemeinsam mit seiner Ehefrau beigesetzt.

Nach seinem Tod wurden seine Werke 1974 in München gezeigt. Heute zählt man ihn zur sogenannten „Verschollenen Generation“ bildender Künstler. Dokumente und Materialien zu seinem Leben und Werk werden im Deutschen Kunstarchiv in Nürnberg aufbewahrt. Arbeiten von ihm befinden sich unter anderem in regionalen Museen in der Börde sowie in Ausleben.

Medium

Öl auf Holz, krakelliert

Maße

39×48 cm, 24×32,5 cm

Nach oben scrollen