Kleinwalsertal, 1949 | Gemälde von Wilhelm Schäfer

Wilhelm Schäfer (1868-1952)

Wilhelm Schäfer (während seiner ersten Ehe zwischen 1890 und 1896 unter dem Namen Wilhelm Schäfer-Dittmar, * 20. Januar 1868 in Ottrau; † 19. Januar 1952 in Überlingen) war ein deutscher Schriftsteller, der sich vor allem mit Kurzgeschichten und Anekdoten einen Namen machte. Stilistisch orientierte er sich dabei an Vorbildern wie Heinrich von Kleist und Johann Peter Hebel. Große Popularität erlangte er mit dem 1922 veröffentlichten Werk Die dreizehn Bücher der deutschen Seele, das eine stark national geprägte Vorstellung von „Volksseele“ vermittelte und ihn zu einem der bekanntesten völkisch-nationalen Autoren der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus machte. Teilweise veröffentlichte Schäfer seine Texte unter verschiedenen Pseudonymen, darunter Karl Ebinghaus, W. Gischler, Karl Pfälzer und Reinhold Treu.

Schäfer entstammte einfachen Verhältnissen. Sein Vater Paul Schäfer, geboren 1840, war Schuhmacher und stammte aus einer verarmten Bauernfamilie aus Berfa bei Alsfeld. Aus wirtschaftlicher Not ging er auf Wanderschaft und erlernte zwischen 1855 und 1858 das Schuhmacherhandwerk. Schäfers Mutter Elisabeth, geborene Gischler, kam aus Ottrau; ihre Familie besaß eine kleine Landwirtschaft sowie ein hoch verschuldetes Haus. Sie arbeitete zeitweise als Magd. In seinem autobiografisch geprägten Buch Meine Eltern schilderte Wilhelm Schäfer ausführlich die Lebens- und Arbeitsbedingungen seiner Herkunftsfamilie, die damaligen Verkehrsverhältnisse, die Militärzeit seines Vaters in Kassel sowie die Auswirkungen des Kulturkampfes, wie sie von der Familie wahrgenommen wurden.

1871 zog die Familie nach Gerresheim, wo Schäfer eine evangelische Volksschule in der Glashüttensiedlung besuchte. Anschließend wechselte er auf das Realgymnasium in Düsseldorf. Ab 1883 bereitete er sich in einer Präparandenanstalt in Mettmann auf den Beruf des Volksschullehrers vor. Zwischen 1890 und 1897 war er als Lehrer in Vohwinkel und Elberfeld tätig. In dieser Phase, die auch von einer engen Freundschaft mit Richard Dehmel geprägt war, begann Schäfer mit ersten literarischen Veröffentlichungen.

Ein Vertrag mit dem Cotta-Verlag ermöglichte ihm nach der Scheidung von seiner ersten Ehefrau Henriette Dittmar im Jahr 1897, Reisen nach Paris, Zürich und München zu unternehmen. 1898 ließ er sich in Berlin nieder, wo er zunächst als Werbetexter arbeitete. Ein Jahr später heiratete er Lisbeth Polligkeit. Im Jahr 1900 zog Schäfer nach Düsseldorf, wo er auf Anregung aus dem Umfeld des Künstlervereins Malkasten sowie durch Unterstützung des Industriellen und Kunstförderers Fritz Koegel die Kulturzeitschrift Die Rheinlande gründete, die er bis 1922 herausgab. 1904 übernahm er zudem die Geschäftsführung des von ihm initiierten Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein.

In den folgenden Jahren wechselte Schäfer mehrfach seinen Wohnsitz. Er lebte ab 1903 in Braubach, von 1907 bis 1915 in Vallendar und anschließend bis 1918 in Hofheim am Taunus, dem Wohnort seiner späteren Lebensgefährtin Freifrau Blanche von Fabrice. Diese war zuvor mit dem Schriftsteller Emanuel von Bodman verheiratet gewesen und ließ sich 1909 scheiden. Schäfer heiratete sie im Mai 1917 nach der Trennung von Lisbeth Polligkeit. 1918 ließ er sich dauerhaft auf der sogenannten Sommerhalde in Bodman am Bodensee nieder, wo er mehrere Jahre intensiv an seinem Hauptwerk Die dreizehn Bücher der deutschen Seele arbeitete.

Ab 1926 gehörte Schäfer der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste an. 1931 trat er gemeinsam mit Erwin Guido Kolbenheyer und Emil Strauß aus der Akademie aus, da es Meinungsverschiedenheiten über deren ideologische Ausrichtung gab. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Schäfer im Mai 1933 zum Ehrensenator der Deutschen Akademie der Dichtung ernannt. Obwohl er kein Mitglied der NSDAP war, identifizierte er sich weitgehend mit der nationalsozialistischen Ideologie und beteiligte sich aktiv an der kulturellen Programmatik des Regimes. Adolf Hitler schätzte Schäfer persönlich und nahm ihn im August 1944 in die sogenannte Gottbegnadeten-Liste der bedeutendsten Schriftsteller auf. Diese enge Verflechtung mit dem NS-System führte dazu, dass sein Werk nach 1945 nur noch vereinzelt rezipiert und kritisch aufgearbeitet wurde.

Nach seinem Tod im Jahr 1952 in Überlingen wurde Schäfers Sarg von Bodman am Bodensee nach Ottrau überführt. Dort fand er, seinem Wunsch entsprechend, die letzte Ruhestätte in der Familiengruft.

Maße

40×51,5 cm; 26×34 cm

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